Dienstag, 8. April 2008

mögen oder nicht mögen - das ist hier die Frage

Warum gibt es Menschen die man einfach nicht mag? Und ich rede hier nicht von Menschen die man einfach mal so doof findet, d.h. die man ansieht und sich denkt „was bist Du denn für n’Idiot?“...

Nein, eher die die man eigentlich mögen sollte, da im Grunde genommen auch gar nichts dagegen spricht, da die Voraussetzungen zum nett und ok finden gegeben sind.

Also, ich probiere es an einer fiktiven Person, nennen wir sie mal „Frau gehmirausdemwegodermussichdirerstbeinemachen“, kurz „Frau X“. Wir alle wissen, dass es natürlich diese Person gibt, ich sie aber hier nicht nennen möchte, eben aus dem guten Grund, dass ich sie ja eigentlich gar nicht doof finden darf, da ich sie nett finden müsste/sollte.

Frau X ist immer nett zu mir, sie vergisst nie mich z.B. zu ihren unzähligen Festen und Partys einzuladen (schon das nervt). Sie bringt kleine Geschenke mit à la „das hab ich gerade im Laden gesehen, musste dabei an Dich denken und MUSSTE es Dir einfach mitbringen“ (was hat zum Teufel hat eine fxxx Diddle-Maus mit mir zu tun, bitte sehr?). Frau X ist steht’s gut gekleidet, eigentlich ganz mein Geschmack, sie riecht appetitlich (sehr wichtig) und hat keinen Dreck unter den Nägeln. Frau X kann zudem noch backen und bringt ab und an auch etwas mit....

ABER - um alles in der Welt - ich mag sie NICHT! Sie nervt mich wie sie spricht, wie sie die einzelnen Wörter betont und sich liebend gerne immer wieder mit dem selben Thema beschäftigt (der Mann ihres Lebens.... blabla...), das Thema ist so fad und verbraucht, wie einer dieser schrecklichen Kaugummis, die nach max. 2 Minuten nicht mehr süss nach Erdbeere schmecken, sondern säuerlich und den Mundgeruch nicht überdecken, sondern fördern.

Oh, ich kann ihr nicht zu sehen wie sie isst. Sie hat sich diese schauspielerische essen angeeignet. D.h. man könnte meinen sie sitze auf der Bühne im Theater und führt ein neuzeitliches „ich und meine Gedanken“-Stück auf. Dieses immer nur ein Mikrostück in den Mund nehmen und dann ganz langsam mit wasserdicht geschlossenem Mund genüsslich und wie gesagt laaaangsam kauen. Vielleicht spricht in diesem Fall auch der Neid aus mir.... da ich tendenziell immer zu viel in den Mund schiebe (böse Zungen sagen auch, ich nehme mir den Mund immer zu voll) und so gar keine andere Wahl mehr habe, als mit offenem Mund zu kauen...

Am allermeisten stört mich aber ihr mangelndes Selbstbewusstsein. Meiner Meinung nach gibt es kaum etwas schlimmeres. Ich habe sicher auch ab und an Selbstzweifel und bei mir läuft wirklich sehr vieles nicht wie es eigentlich sollte. Aber sie übertreibt es, sie ist mit sich und ihrer Welt überhaupt fast gar nie zufrieden. Mal ist es ihre Figur, ihre Haare, dann mal ihr Job und wenn möglich auch noch das uninteressante TV-Programm, dass natürlich nur ihr zugemutet wird. Und das jammern wäre ja das kleinste Problem, wenn sie es nur nicht immer darauf hinaus laufen lassen würde, mich zu einem „aber sicher nicht meine Liebe, Du bist nicht fett-schlecht frisiert-ungebildet-etc.“ zwingen würde. Am liebsten würde ich ja mal mit einem „ja ja, ein Mobelchen biste ja schon ein wenig, mein Dummerchen....“ antworten – aber eben, ich sollte sie ja nett finden.

Also, was soll ich machen? (übrigens, bin ich ein Unmensch?) Ihr sagen, dass sie mir auf den Senkel geht und sie doch bitte jemand anderes belästigen soll oder sie einfach versuchen nett zu finden und die Vorzüge zu erkennen? Was ich als doch grösseren Auftrag ansehe....

Meine momentane Methode ist, ihr möglichst oft aus dem Weg zu gehen – in der dezimierten Form hab ich mich langsam daran gewönnt sie auszuhalten und ja man könnte sagen, sie sogar zu mögen. Zumindest wünsch ich ihr nie was schlechtes – immerhin.

Und wenn es mir doch wieder einmal zu viel wird, schreibe ich es in meinem Blog nieder – für irgendetwas gibt’s den ja!

Es grüsst,
A.

5 Kommentare:

sasserak hat gesagt…

also, ich bin ja kein psychologe, aber interessant ist deine schilderung schon, weil sie ja erstens einen relativen zwang formuliert, diese person X zu mögen (obwohl du sie überhaupt nicht gut findest)
zweitens bemüht sich ausgerechnet diese person X um dich, und dieser umstand zeigt doch zumindest, dass sie spürt, wie notwendig das ist, weil du sie eben nicht magst. genau das bestätigt dir aber, wie blöd sie ist, insofern sie dir oder ihrer anerkennung durch dich hinterherzläuft.
die frage ist also nicht wirklich: mögen oder nicht mögen, sondern warum bin ich in eine person involviert, von der ich denke, sie ist doch zu blöd, und warum provoziert es mich, dass eine (bestimmte) person kein oder zu wenig selbstbewusstsein hat?
ich kenne das von mir, dass ich mich schon das eine oder andere mal dabei ertappt habe, mich über personen zu ärgern, die doch sozusagen unter meinem niveau sind - und ich hab für mich herausgefunden, dass ich mich auf einem niveau (unter irgeneinem aspekt) angesiedelt habe, auf dem ich mich nicht wirklich befinde. d. h. ich hatte ein "niveau"-problem. ich musste als nächstes herausfinden, in welcher angelegenheit dieses mein problem bestand, dann hab ich mir gesagt, holla, also gut, so ist es eben - und die entsprechende person verlor plötzlich an gewicht für mich und mein leben, und das machte mich wieder ruhig.
ich weiß natürlich nicht, ob ich deine sache getroffen habe, aber vielleicht gibt es dir anstoss zu weiteren überlegungen in die eine oder andere richtung. interessant finde ich die thematik jedenfalls, weil es eben nicht nur um die vorhandene oder nicht vorhandene (soziale) kompetenz gegenüber anderen menschen geht, sondern vor allem auch um die kompetenz in eigenen angelegenheiten.
herzliche grüße
sasserak

A. hat gesagt…

danke für Deinen Kommentar!

Wenn ich aber dazu auch sagen muss, dass ich mein "mögen oder nicht mögen" längst nicht so tiefgründig hinterfrage wie Du es vielleicht gemacht hast. Nicht zuletzt, weil mir solche "Probleme" nicht wirklich ZU nahe gehen und darum ein gesundes darüber ärgern für mich nicht das Bedürfniss weckt, das Problem zu beheben... Das Problem, wenn man das überhaupt ein solches nennen darf, ist ja auch eher ein "nicht richtig warm werden mit einer Person"...

Aber das sich provoziert fühlen von den Mängeln des Gegenübers, ist sicherlich immer wieder etwas, worüber ich nachdenke!

Aber alles in allem und ganz und gar ist auch alles mit einem sehr grossen Augenzwinkern meinerseit gesehen...
Grüsse,
A.
PS:An sonsten scheint es mir an den nötigen sozialen Kompetenzen eigentlich nicht zu fehlen... :-)

sasserak hat gesagt…

oh, tschuldige, mein kommentar könnte missverständlich gewesen sein. ich wollte (ich kenne dich ja gar nicht) dir nicht soziale kompentenz absprechen. es ging mir mehr darum, dass im allgemeinen unter sozial mehr das gerichtetsein auf andere (also ein gegensatz zu egoistisch) verstanden wird, ich glaube aber, dass ein gut integrierter egoismus (in einer voll entwickelten persönlichkeit, also etwa auch die fähigkeit zur abgrenzung) zur sozialen kompetenz gehören.(beziehungen eingehen, auch NEIN sagen und mit ambivalenzen umgehen zu können)
bei dir ging es ja um ein NEIN (zur person X), das dir aber nicht, wenn ich deine schilderung mir vergegenwärtige, so leicht fiel, wie du es gerne hättest usw.
das hat mich zu allgemeinen gedanken geführt, ich wollte dir also keines wegs zu nahe treten, aber du hast ja offenbar einen sinn für ein solches thema, deswegen dachte ich, es könnte interessant sein, ein solche diskussion im allgemeinen (und das ist für mich kein gegensatz zu spaß) anzuzetteln
also nichts für ungut
herzliche grüße
s.

A. hat gesagt…

oh keine Angst, hab mich nicht auf den Schlips getreten gefühlt und finde es umso besser, wenn sich überhaupt jemand einen Gedanken über über das geschriebene macht - also nix für ungut meinerseits! :-)

Und Du hast sehr wohl recht, ein NEIN zu einer solchen Person sollte durchaus in Betracht gezogen werden... Absolut! ...aber eben, ein gesundes "die Sau raus lassen" tut auch manchmal gut...:-)

Grüsse aus der Schweiz,
A.

Lisbeth hat gesagt…

Hallo Ändeli!
ich will wiedermal Lesestoff!!!
Bitte Bitte!
lg aus Wien